Magazin ITProduction V / 2004 - Interview mit J. Brinkmann "Echtzeitdaten aus der Produktion"
Vertikale Datenintegration mit MES-Systemen
Warum benötigt ein Unternehmen Echtzeitdaten und welcher Lösungen bedarf es dazu im Unternehmen? Jochen Brinkmann, Geschäftsführer der comtas GmbH, rät dem Mittelstand, bei der Auswahl der Software auf die Vermeidung komplexer Software zu achten.
ITP:
Welche Rolle spielt MES-Software, um Echtzeitdaten aus der Fertigung gezielt in die ERP-Umgebung zu integrieren?
J. Brinkmann:
Nach einer kosten- und zeitintensiven Einführung eines ERP-Systems scheuen viele produzierende Unternehmen weitere Investitionen in ein MES-System, das Echtzeitdatenerfassung aus der Fertigung liefert. Jedoch wird bei steigendem Wettbewerbsdruck und notwendigem Kosten-Controlling ein durchgängiger Informationsfluss vom Büro bis in die Produktion unumgänglich. In der vertikalen Datenintegration liegt ein Wettbewerbsvorsprung für produzierende Unternehmen.
ITP:
Wie wirken ERP- und MES-Systeme in einem produzierenden Unternehmen zusammen, sodass sich ein durchgängiger Informationsfluss bildet?
J. Brinkmann:
Als erstes muss zwischen den unterschiedlichen Aufgabenbereichen der beiden Systeme beim Kunden klar unterschieden werden, sodass es keine Überschneidung in den Softwarefunktionen gibt. Das ERP-System ist grundsätzlich das Mastersystem. Das MES-System übernimmt die Fertigungssteuerung und die automatische Rückführung des Fertigungs und Planungsstandes zu dem ERP-System. Zusätzlich erfolgt die Dokumentation von Prozessparametern, die nur im MES-System verwaltet werden.
ITP:
Welche Echtzeitdaten werden erfasst und wie erfolgt die Erfassung?
J. Brinkmann:
Mit den Industriestandards können jegliche Zustands- und Prozessparameter aus der Fertigung erfasst werden. Maschinendaten wie Laufzeiten, Stückzahlen, Temperaturen, Drücke etc. werden direkt aus der Maschinensteuerung ausgelesen oder durch den Einsatz von externen Feldbuskomponenten, die die elektrische Signalumsetzung übernehmen, in Echtzeit ins Netzwerk übernommen. Betriebsdaten
wie z.B. Auftragsmeldungen in der Produktion werden über Industrie-PCs oder über mobile Scanner (WLAN) erfasst.
ITP:
Warum ist die Echtzeitdatenerfassung und -verarbeitung für produzierende Unternehmen so wichtig?
J. Brinkmann:
Unsere Erfahrungen zeigen, dass in den meisten Betrieben ein falsches Bild von der Belegung und Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen herrscht. Mit der Erfassung von Echtzeitdaten verfügt der Kunde über ein Kontrollsystem mit hohem Automatisierungsgrad, das ihm jederzeit die aktuelle Situation im Unternehmen zuverlässig aufzeigt. Die Echtzeitdaten dienen ihm als Basis, Unternehmensprozesse zu verändern, um seine Wettbewerbsposition zu stärken.
ITP:
Wie wichtig ist dieses Thema für den Mittelstand?
J. Brinkmann:
Der Mittelstand ist geprägt vom enormen Wettbewerbs- und Kostendruck, den die Globalisierung hervorruft. Betrachtet man den Mittelstand unter der Annahme, dass die meisten Betriebe über einen hohen Fertigungsanteil gegenüber einem niedrigen Verwaltungsanteil verfügen, ist es wichtig, mit Hilfe von modernen Softwarelösungen den Überblick zu wahren und Optimierungspotentiale in der Wertschöpfungskette aufzudecken.
ITP:
Viele Mittelständler verlagern jetzt im Zuge der EU-Osterweiterung Teile Ihrer Produktionsstätten ins Ausland. Wie können Sie mit Ihrem Softwarekonzept diese Entwicklung unterstützen?
J. Brinkmann:
Mit einem modernen Technologiekonzept können externe Standorte mit einfachen Mitteln vernetzt werden. Es spielt heute keine Rolle mehr, in welchem Land die IT-Adminstration angesiedelt ist. Die Daten laufen zentral in einen Datenbankserver ein. Dem Mittelständler stehen auf diese Weise sofort alle Echtzeitdaten auch von externen Standorten zur Verfügung.
ITP:
Herr Brinkmann, wie sieht der Unterschied Ihres Software-Konzeptes gegenüber anderen Anbietern aus?
J. Brinkmann:
Unser Konzept Includis Factory setzt auf den Einsatz von Industriestandards zur Echtzeitdatenerfassung und bindet die Global Player wie Siemens, Beckhoff und Rockwell Automation direkt in das Vernetzungskonzept mit ein. Gegenüber den klassischen BDE/MDE-Systemen, die sich auch heute in dem Begriff MES wiederspiegeln, wird mit der Nutzung von Industriestandards der Ballast von nichtkompatiblen Hardwaretechnologien abgeworfen. Unser Ziel ist es, mit dem heutigen Stand der Automatisierungs- und Infomationstechnologie eine Softwarelösung zu bieten, die Stabilität gewährleistet, Hardwarekosten einspart und die Aufwände zur manuellen Datenerfassung minimiert.
ITP:
Wie sieht die von Ihnen angesprochene Vereinfachung in der Praxis aus?
J. Brinkmann:
Das Ziel muss sein, dem Kunden sozusagen Lean Software zur Verfügung zu stellen, die nur die Bereiche abdeckt, die von ihm angefordert werden. Mit dem Kunden wird ein Softwarekonzept erarbeitet, das auf unnötige Funktionalität verzichtet. Standardisierte Softwaremodule sorgen zudem für kurze Installations- und Einführungszeiten. 

|  Dipl.-Ing Jochen Brinkmann, Manager contas software consulting GmbH, Berlin
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Includis Factory von Comtas
Die comtas software consulting GmbH ist seit 1995 als Software- und Beratungshaus tätig sowie im Bereich der vertikalen Datenintegration von Fertigungs- und Prozessdaten. comtas entwickelt und vertreibt die Produktlinie Includis Factory - eine Softwarestandardlösung für die Fertigungsindustrie. Sie steuert Ihre Produktionsaufträge, liefert Informationen über Auftragsstand, Liefertermin und Betriebsmittelverfügbarkeit und wertet alle industriellen Daten aus. Aktuelle Produktionsdaten der Maschinen und Anlagen werden in Real-Time mit Hilfe von Industriestandards über Profibus DP oder Ethernet TCP/IP ins Hausnetzwerk bereitgestellt. Fragen zum Auftrags- und Planungsstand können via Knopfdruck sofort beantwortet, Engpässe erkannt und auf kurzfristige Änderungen umgehend reagiert werden.
ITProduction V / 2004 (Seite 14/15) 

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